14. September 2018

Weihe und Eröffnung der Heiligkreuzkapelle

Am Freitag, 14. September - zum Fest der Kreuzerhöhung- wurde nach mehr als zehnjährigen Restaurierungsarbeiten, die Heiligkreuzkapelle von Weihbischof Marian Eleganti neu geweiht. In einer feierlichen Zeremonie wurden die Reliquien wieder in den Altar eingesetzt, sodass die Kapelle wieder ihre Funktion als Sakralraum erfüllen kann. Am Samstag, 15. September fand der Tag der offenen Tür statt. 200 Gäste aus nah und fern kamen, um sich dieses Juwel in einer geführten Besichtigung anzusehen. Wer es an diesem Wochenende nicht geschafft hat, kann noch bis Mitte Oktober Dienstags und Freitags jeweils um 15:30 Uhr bei einer geführten Besichtigung teilnehmen.

Die Heiligkreuzkapelle wird wieder geweiht

Es ertönen zwei ruhige Glockenschläge und das kleine Grüppchen setzt sich in Bewegung. Kein grosses Geläut begleitet Priorin Domenica Dethomas und die Schwestern von Müstair, mit Weihbischof Marian Eleganti, Abt Markus Spanier vom Kloster Marienberg, Pater Pius Rabensteiner aus Marienberg und Spiritual Gregor Niggli aus Müstair auf ihrem Weg von der Klosterkirche zur Heiligkreuzkapelle am Eingang des Kirchweges des Klosters St. Johann in Müstair.

Als vor rund zwanzig Jahren Jahrringanalysen der Balken im Zwischenboden der zweigeschossigen Kapelle den unerwarteten Befund ergaben, dass die Kapelle zum Urbestand aus der Zeit Karls des Grossen, der Gründungszeit des Klosters, gehört, wurde eine umfassende Bestandesaufnahme vorgenommen. Diese hat Resultate hervorgebracht, die als Sensation bezeichnet werden können.  Im Untergeschoss konnte die Osthälfte der Balkendecke auf die Jahre zwischen 785 und 788 datiert werden. Es handelt sich damit um die älteste datierte, tragende Holzdecke Europas. Die Kapelle im Obergeschoss war - wie die Klosterkirche - reich mit Fresken geschmückt. Nur konnten in der Heiligkreuzkapelle bis zu zehn aufeinander folgende Malschichten nachgewiesen werden. Sogar Teile der Aussenwand waren mit figürlicher Malerei geschmückt. Solche kennt man aus karolingischer Zeit bei keinem anderen Bauwerk in Europa. Der Befund bestätigt die Richtigkeit des Entscheides der UNESCO, den ganzen Klosterbezirk in die Liste der Welterbestätten aufzunehmen.

Die Weihe fand in einem kleinen, intimen Rahmen statt. Die Reliquien des Hl. Ludwig IX. und der Heiligen Alexander, Eventius und Theodul, welche bereits 1510 in diesem Altar im Sepulcrum eingemauert waren, wurden gemeinsam mit einem neuen Reliquiar, das ein Partikel des Hl. Kreuzes beinhaltet, eingesetzt. In einem feierlichen Akt wurden anschliessend der Altar und die Wände gesalbt, Weihrauch auf dem Altar verbrannt und die Lichter angezündet. Der Altar wurde geschmückt und die Kapelle ihrer Funktion wieder übergegeben.

 

Der Stiftungspräsident Walter Anderau dankt allen Beteiligten

Am Nachmittag begrüsste Walter Anderau, der Präsident der Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair, alle an der Erforschung und der Restaurierung beteiligten Restauratoren, Bauforscher, Experten und Handwerker sowie die Stiftungsorgane, die mit vereinten Kräften zum Gelingen des bedeutendsten Restaurierungsvorhabens der letzten Jahre der Stiftung beitrugen. Er erzählte, wie es dazu kam, dass die Heiligkreuzkapelle restauriert wurde. Eigentlich sei es dem „Ungehorsam“ der Archäologen und Restauratoren zu verdanken, dass dieses Kleinod entdeckt wurde. Getrieben von Neugier hatten sie ohne Zustimmung der Stiftungsorgane den Nachweis erbracht, dass es sich hier um ein weit bedeutenderes Bauwerk handelte, als ursprünglich angenommen wurde. Erst eine ausserordentlich grosszügige Spende von einer Million Franken durch ein Ehepaar, das anonym bleiben möchte, konnte der Startschuss für eine systematische Bestandesaufnahme gegeben werden. Mit den anschliessenden Restaurierungsarbeiten wurden total 3,1 Mio. investiert. Darin eingeschlossen sind auch die Eigenleistungen der im Kloster tätigen spezialisierten Handwerkern, Restauratoren,  Archäologen und Wissenschafter. Ohne zahlreiche Guttäter und Spender auch im Rahmen der Initiative „Basel hilft Müstair“ und den Subventionen  vom Bund und dem Kanton Graubünden, wäre dieses bedeutende Restaurierungsvorhaben nicht gelungen. Als Zeichen der Anerkennung und als Dank überreichte der Stiftungspräsident Walter Anderau allen eine in ein handgewobenes Tuch der Tessanda in Sta. Maria eingebundene Silbermünze des Klosters St. Johann in Müstair.

Anschliessend führten die Restauratorin Doris Warger und der Kunsthistoriker und Mittelalterarchäologe Jürg Goll die Anwesenden durch die Restaurierungsarbeiten der letzten zehn Jahre. Man konnte förmlich spüren, wie sehr die doppelgeschossige Heiligkreuzkapelle den beiden ans Herz gewachsen ist, haben sie sich doch viele Jahre mit der Kapelle befasst und kennen bestens jeden einzelnen Winkel derselben.

 

Tag der offenen Heiligkreuzkapelle

Am Samstag, 15. September wurde die Heiligkreuzkapelle dann für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Von 10:30 Uhr bis 16:30 Uhr fanden stündlich Führungen statt. Insgesamt nahmen 200 Personen an den Führungen teil und konnten so die Ergebnisse der langjährigen Restaurierungsarbeiten betrachten. Bis Mitte Oktober gibt es Dienstags und Freitags jeweils um 15:30 Uhr die Möglichkeit die Kapelle zu besuchen. Eine Besichtigung ist nur geführt möglich. Das Obergeschoss kann als Kapelle für kleinere Gottesdienste und Andachten genutzt werden.

Die Freude der Benediktinerinnen von Müstair, der Stiftung und aller, die an der Heiligkreuzkapelle gearbeitet haben, ist gross. Die Kapelle ist ein weiteres Juwel der über 1200-jährigen Klosteranlage und UNESCO Welterbe St. Johann in Müstair.

Bis 12. Oktober 2018 kann die Kapelle jeden Dienstag und Freitag um 15:30 Uhr geführt besichtigt werden.