15. September 2018

Tag der offenen Heiligkreuzkapelle

Ein Blick in 1230 Jahren Kunst- und Baugeschichte

Stündlich Führungen zwischen 10.30 und 16.30 Uhr

Eintritt frei | Anmeldung am Veranstaltungstag vor Ort im Klosterladen, da die Platzzahl pro Führung begrenzt ist.

 

Nach langjährigen Restaurierungsarbeiten und mehreren Expertentreffen ist die doppelgeschossige karolingische Heiligkreuzkapelle des Klosters St. Johann in Müstair nun fertig restauriert und kann am 15. September besichtigt werden.

Lange galt die Heiligkreuzkapelle am Eingang des Kirchwegs des Klosters St. Johann in Müstair als romanischer Bau. Die dendrochronologische Datierung der Balkendecke im Untergeschoss lässt aber keine Zweifel offen. Die Heiligkreuzkapelle gehört, wie auch die Klosterkirche, zur originalen karolingischen Klosteranlage. 788 wurde das Holz gefällt, auf dem heute noch der karolingische Mörtelboden des Obergeschosses liegt. In ihrer 1230-jährigen Geschichte hat sie mehrere Veränderungen erlebt, vor allem in der Innenausmalung.

Nun sind die aufwendigen Restaurierungsarbeiten, welche im Aussenbereich und im Obergeschoss durch das Restauratorenteam von Doris Warger durchgeführt wurden, abgeschlossen und die Wissenschaft hat viele neue Erkenntnisse und Erfahrungen durch die Arbeiten an diesem Denkmal sammeln können. Die Fassade der Kapelle war in karolingischer Zeit reich bemalt, es gab sogar figürliche Malereien am Ostgiebel. Das Untergeschoss war ursprünglich wohl ein Gruftraum, später Totenkapelle. Die Wandbilder zum Thema Tod erinnern uns heute noch daran.

Das Obergeschoss diente als Kapelle und wird auch in Zukunft diese Aufgabe erfüllen. In karolingischer Zeit gehörten Stuck- und Marmordekorationen zur Innenausstattung des kostbaren Sakralraums. Die Wände waren reich bemalt und wurden in den Jahren immer wieder neu übermalt. So liessen sich über zehn Mal- und Tüncheschichten feststellen. Die oberste, neuzeitliche Malschicht war schädlich und wurde daher entfernt. Dadurch ergab sich die Möglichkeit, an den Wänden „Fenster“ in die Vergangenheit zu öffnen: gezeigt werden karolingische, gotisch und barocke Malereien. Der originale karolingische Mörtelboden war in einem so guten Zustand, dass er durch keinen neuen Boden zugedeckt wurde und so als Teil der originalen Ausstattung ersichtlich bleibt. Der Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair und dem Konvent ist es ein Anliegen, die Geschichte der Kapelle mittels Führungen besser lesbar zu machen.

Ohne die zahlreichen Sponsoren und Spender auch im Rahmen des Projektes „Basel hilft Müstair“ und den Zuwendungen von Bund und Kanton, sowie der intensiven Zusammenarbeit aller Beteiligter, ob Restauratoren, Bauforscher, Handwerker und wissenschaftliche Experten, wäre dieses bedeutende Restaurierungsvorhaben nicht gelungen. Ihnen gebührt ein herzliches Dankeschön. Die Heiligkreuzkapelle wird nun seiner Funktion als Kapelle wieder gerecht und kann zudem geführt besichtigt werden.

Am Samstag, 15. September 2018 wird die restaurierte Heiligkreuzkapelle erstmals wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es finden stündlich Führungen zwischen 10.30 Uhr und 16.30 Uhr statt.

 

Kontakt und Info:
Klostermuseum Müstair | T. +41 81 858 61 89 | visit-museum@muestair.ch