1983: Aufnahme des Klosters St. Johann in die Liste der Weltkulturerbestätten der UNESCO

Seit 1983 Welterbe

1983 wurde das Benediktinerinnenkloster St. Johann anlässlich der Sitzung des Welterbekomitees vom 5. bis 9. Dezember in Florenz in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Zeitgleich wurden auch der Stiftsbezirk St. Gallen und die Altstadt Bern aufgenommen, aber auch Stätten mit grossen Namen wie Machu Pichu und Tadsch Mahal.

Begründung der Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste

Denkmalpfleger Hans Rutishauser begründet die Aufnahme wie folgt: „Das Kloster St. Johann in Müstair ist ein einzigartiges Zeugnis karolingischer Kunst und Kultur. Die dreiapsidiale Kirche ist mit Ausnahme der Flachdecke und des Dachstuhls vollständig erhalten. Sie ist mit karolingischen Fresken ausgestattet. Die Einheit zwischen dem karolingische Bau und seiner Ausstattung gilt europaweit als einzigartig. Innerhalb der Klosteranlage befinden sich weitgehend unerforschte Reste des karolingischen Konvents. Die laufenden Ausgrabungen ergeben grundlegende Kenntnisse zur Baugeschichte des Klosters. Im Kloster sind überdies wichtige hoch- und spätmittelalterliche sowie barocke Ausstattungen überliefert.“ (H. Rutishauser, 8.11.1982, in: Convention concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage. Nomination to the World Heritage List).

Zeuge christlicher Hochblüte,
kulturelles Erbe der Menschheit

Das Kloster St. Johann in Müstair ist ein Zeuge christlicher Hochblüte um 800, ein kulturelles Erbe der Menschheit über die Zeiten hinweg. Es ist viel mehr als nur ein Monument, es ist ein lebendiges Kulturgut. Heute noch leben Nonnen im Kloster im geregelten Rhythmus des benediktinischen „ora et labora et lege“.

Die Tatsache, dass die gesamte Klosteranlage – und nicht nur die Kirche – unter Schutz gestellt wurde, erwies sich als weitsichtig. Von Weltrang sind der grösste besterhaltene Wandmalereizyklus aus dem Frühmittelalter und die romanische Bilderwelt in der Klosterkirche. Zudem befindet sich in der Kirche die älteste, einst farbig bemalte Monumentalstatue Karls des Grossen. Dank archäologischer Untersuchungen entdeckte man aber noch weitere Sensationen. Die für romanisch gehaltene Heiligkreuzkapelle entpuppte sich als wahres Juwel karolingischer Architektur und Kunst. Der Plantaturm wurde nicht, wie anfänglich gedacht, von der Äbtissin Angelina Planta Ende des 15. Jahrhunderts erbaut, sondern diente bereits im 10. Jahrhundert als Wohn- und Wehrturm. In der Burgenforschung steht er ohne Parallelen da. Die Bischofsresidenz aus dem 11. Jahrhundert ist in bedeutenden Teilen noch erhalten und beherbergt die reizende Doppelkapelle St. Ulrich und St. Nikolaus.

Die langjährigen archäologischen Untersuchungen führten zum Verständnis der baulichen Entwicklung der Klosteranlage und bringen laufend neue Erkenntnisse und Resultate, die zum Staunen anregen.

 

Unterstützung durch Stiftung und Freunde

Zahlreiche Fachleute sorgen mit Unterstützung der Stiftung Pro Kloster St. Johann in Müstair und dem Verein der Freunde des Klosters St. Johann in Müstair dafür, dass das Kloster mit seinen Kunstschätzen erhalten und erforscht wird und die neuesten Erkenntnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Networking

Wichtig sind ebenfalls der Austausch und die Kontaktpflege zu anderen UNESCO-Welterbestätten. In der Schweiz gibt es regelmässige Treffen von Vertreterinnen und Vertretern dieser einzigartigen Stätten. Ebenso ist die touristische Plattform UNESCO Destination Schweiz darum bemüht, die Welterbestätten der Schweiz bekannt zu machen. Das Kloster St. Johann in Müstair pflegt zudem eine Partnerschaft mit dem Kloster Lorsch in Deutschland, welches auch zu den schützenwerten Kulturerbestätten der UNESCO gehört.