Erstes Drittel des 13. Jahrhunderts:
Das Wunder der Heilig-Blut-Hostie

Ein Wunder im Kloster Müstair

«Die Klosterfrau Agnes, Tochter eines Ritters aus Sent im Unterengadin, habe an einem Gründonnerstag mit zweifelhaftem Gewissen die heilige Hostie empfangen, sie aber dann nicht genossen, sondern in ihrem Schleier verborgen und in ihrer Truhe aufbewahrt. Als sie dann beobachtete, wie sich die Hostie in Fleisch und Blut verwandelte, offenbarte sie ihr Erlebnis dem Klostergeistlichen Johannes.» (aus Iso Müller, Geschichte des Klosters Müstair, S. 63). Dies ereignete sich im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts im Kloster Müstair.

 

Wallfahrt nach Müstair nimmt ihren Anfang

Der Priester Johannes floh mit der Heilig-Blut-Reliquie nach Partschins bei Meran. Die wundertätige Hostie verwandelte sich erneut, der Priester gab sich ganz seiner Verehrung hin. Die damalige Äbtissin Adelheid aber veranlasste Pater Johannes, die Hostie nach Müstair zurück zu bringen. Die Wallfahrt nach Müstair zum Heiligen Blute nahm ihren Anfang.

Bewegte Geschichte der Heilig-Blut-Hostie

Unterbrochen wurde der Pilgerstrom Ende des 15. Jahrhunderts als in der Calvenschlacht von 1499 die wundertätige Hostie von den Tirolern geraubt wurde. Allerdings musste sie nach dem Sieg der Bündner und dem Frieden von Basel vom 22. September 1499 auf Drängen des Bischofs von Brixen wieder dem Kloster zurück gegeben werden.

1597 liess die damalige Äbtissin Ursula von Schlandersberg in der Klosterkirche, an der Stirnwand zwischen Mittel- und Nordapsis die Geschichte des Wunders malen. Abgebildet sind die Kommunion der Nonnen am Gründonnerstag, das Heiligblutwunder, die Reue und die Beichte der Klosterfrau Agnes sowie die Verehrung der Monstranz. Darunter befindet sich der Tabernakel, worin die Hostie bis 1758 aufbewahrt wurde.

Im selben Jahr wurde die Reliquie in die eigens für sie errichtete Heilig-Blut-Kapelle – heute Gnadenkapelle – gebracht. Dort blieb sie aber nicht allzu lang, denn 1799 – im zweiten Koalitionskrieg – plünderten die Franzosen das Kloster und seither ist auch die Heilig-Blut-Reliquie verschollen. Geblieben sind die Kapelle und die Wandbilder, die uns an dieses Wunder erinnern.