10. agosto 2015

Klosternacht GRENZEN - wiederum ein Erfolg

Die Klosternacht GRENZEN knüpfte dieses Jahr an die beiden letztjährigen Anlässe an: „Wege“ und „Freiheit“ waren damals die Themen. Wieder war die Klosternacht ausgebucht. Nach dem gemeinsamen Nachtgebet mit den Klosterfrauen von Müstair, der einleitenden Worte von Priorin Domenica Dethomas und der Einführung zum Thema durch die Museumsdirektorin Elke Larcher durchwanderten die Besucherinnen und Besucher vier Stationen zum Thema GRENZEN. Dieses Jahr gab es eine Neuheit in der Pausenverpflegung: es gab nach alten benediktinischen Rezepten zwei Suppen, Brot und Käse – ein einfaches, benediktinisches Abendbrot, wie es in Klöstern üblich ist.

Die Klosternacht begann schon mit der Überschreitung einer ersten Grenze. Die Benediktinerinnen von Müstair, die normalerweise auf der Nonnenempore beten, überwinden zu dem speziellen Anlass der Klosternacht diese Abgrenzung, um gemeinsam mit den Gästen im Kirchenschiff die Komplet, das Nachtgebet, zu feiern. Sie überschreiten auch noch eine andere Grenze, jene des grossen Silentiums, welches nach der Komplet herrscht. Auch die Besucherinnen und Besucher der Klosternacht haben die Möglichkeit eine Grenze, nämlich die des Klosters zu überschreiten. Dabei, so Elke Larcher in ihrer Einleitung, kommt es zu einem besseren Verständnis der Grenze und zur Respektierung derselben. So war die Klosternacht in sich schon eine Erfahrung zum Thema Grenzüberschreitung.

Elke Larcher stimmte ins Thema ein, erzählte über die unübliche Grenze Müstair – Taufers. Sie macht geographisch keinen Sinn, ist aber historisch gewachsen. Es ging um Mauern, welche ihre Funktionen nicht erfüllten: von der chinesischen bis hin zur Berliner Mauer, wie auch das Aufbauen von zwischenmenschlichen Mauern. Elke Larcher lud die Gäste ein, die Grenze des Klosters zu überschreiten, ihr ging es vor allem um das Verständnis und den Respekt einer Grenze.

Die Besucherinnen und Besucher durchwanderten auch dieses Jahr vier verschiedene Stationen zum Thema. Priorin Domenica Dethomas und Sr. Maria Birgitta Oberholzer leben beide im Kloster St. Johann in Müstair, erstere seit 45 Jahren, letztere hat 2014 ihre ewigen Gelübde abgelegt. Sie sprachen über die Klausur als Schutz und als das Gefühl zu Hause angekommen zu sein. Die Klausur habe in der Zeit etwas Öffnung erfahren, so können die Schwestern nun auch spazieren gehen oder sind nicht mehr von einem Gitter getrennt, wenn sie Besuch erhalten.

Valentin Pitsch, Kenner der Flora und Fauna des Val Müstair und die Biologin und Umweltpädagogin Christiane Stemmer entführten die Gäste über die Waldgrenze bis unter das Eis, wo der Schnee 9-10 Monate lang liegt, wo der Temperaturunterschied so hoch ist, dass die Pflanzen Sonnenschutz und Frostschutz benötigen. Valentin Pitsch zeigte eigene Fotografien dieser Blumen und Sträucher, welche es schaffen auf solchen Höhen noch wunderschön zu blühen. Fazit der beiden Referenten war, dass für die Natur Grenzen eine Bereicherung sind, ohne Waldgrenze gäbe es kein Edelweiss.

David Accola, Oberst im Generalstab der Schweizer Armee und Präsident des Vereins Stelvio-Umbrail 14/18 nahm die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Mit dem Kriegseintritt Italiens 1915 entstand entlang der Grenze zu Österreich-Ungarn am Umbrailpass eine 600 km lange Front. Schweizer Soldaten leisteten in über 2500 m Höhe ihren Landesverteidigungsdienst. Da die Schweiz neutrales Gebiet war und somit nicht angegriffen werden durfte, entstanden die Lager der Österreicher in der Nähe des Hotels Dreisprachenspitze, wo die Schweizer logierten. Auch die Italiener hatten ihre Grenzstellung so nah als möglich neben jenen der Schweizer. Es entstand auch ein reger Austausch an Waren: Tabak und schweizer Schokolade gegen Wein und Salami. Als im Hotel an der Dreisprachenspitze ein Kaminbrand ausbrach, da halfen die Österreicher löschen. Für David Accola stellte sich die Frage des Sinns/Unsinns einer solchen militärische Grenze, für ihn sind Grenzfragen nicht nur politischer Art, sondern vielfältiger.

Mit Günther Baldauf konnten sich die Besucherinnen und Besucher in zwei Räumlichkeiten des Museums bewegen und selbst aktiv werden. Dem Schauspieler und Regisseur ging es darum, innere und äussere Grenzen erfahrbar zu machen, ein Raumgefühl herzustellen. Vom Dormitorium, einem grossen Schlafsaal gingen die Besucherinnen und Besucher in das Hohenbalkenzimmer eine intime sehr kleine Stube. Es war ein individuelles und Gemeinschafts-Experiment, ein Versuch Grenzen neu zu erfahren und sich derer bewusst zu werden. Musikalisch wurde der Anlass von Franziska Telser aus Mals umrahmt.

Ziel der Klosternacht ist es, Menschen zu berühren und bleibende Inspiration und Anregungen zu geben. Grenzen gibt es viele: in der Klosternacht ging es diese Jahr vor allem darum, sie im Überschreiten zu verstehen und zu respektieren.