Die Regel des Heiligen Benedikt

„Höre mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens.“

Mit diesen Worten beginnt die Regel des Hl. Benedikt. Ohr und Herz sind geöffnet, um zu hören, was uns Benedikt und unsere Mitmenschen sagen möchten. Diese Haltung zieht sich durch die ganze Regel hindurch: Hören, Schweigen, Gehorsam, Demut sind zentral, um in einer Gemeinschaft respektvoll miteinander in Liebe leben zu können.

Ein kompaktes, klar strukturiertes Büchlein

Über die Benediktsregel gibt es sehr viel Literatur. Sie ist heute aktueller denn je, auch wenn sie – oder vielleicht gerade weil sie – vor 1500 Jahren geschrieben wurde. Benedikt lebte im ausgehenden 5. und beginnenden 6. Jahrhundert, inmitten des Übergangs der Spätantike zum Frühmittelalter. Es war eine Zeit voller Wirren und Unsicherheiten. Mit seiner Regel wollte Benedikt Orientierung und Halt geben.

Es ist ein kleines, praktisches Büchlein, das Grosses bewirkt. In 73 Kapitel regelt Benedikt den Alltag im Kloster, den Umgang mit den Mitbrüdern und Mitschwestern, das gemeinsame Gebet, die hierarchischen und demokratischen Grundsätze, die Beziehungen nach aussen; er spricht über menschliche Verfehlungen und menschliche Grösse und setzt die Demut an zentrale Stelle. Ihr klares Wort und die massvolle Unterscheidung sind u. a. ausschlaggebend dafür, dass die Regel auch heute noch nichts an ihrer Aktualität eingebüsst hat.

Die Regel des Hl. Benedikt wird heute immer mehr nicht nur hinter Klostermauern gelebt und studiert, sondern auch ausserhalb. Bücher über Management und Benedikt haben Hochkonjunktur. Die Regel ist für eine Gemeinschaft von Menschen geschrieben und enthält Weisungen, die in Familie, Beruf und Freizeit Anwendung finden können.

Die Regel immer neu entdecken

Georg Holzherr, ehemaliger Abt von Einsiedeln, vergleicht in seinem Kommentar die Regel des Hl. Benedikt mit einem alten, schweren Rotwein, den man nur in kleinen Schlucken geniesst, damit er sich auch richtig entfalten kann.

In den Benediktinerklöstern wird die Regel täglich gelesen, aber immer nur in kleinen Abschnitten. So können die Nonnen die Worte Benedikts verinnerlichen. Die Regel des Hl. Benedikt eröffnet bei jeder Lektüre immer wieder neue Erkenntnisse, schenkt positive Impulse und gibt Inspiration.