12. Dezember 2016

Gotische Muttergottes kehrt zurück in die Val Müstair

Ein bedeutendes Kunstwerk des späten 14. Jh. – eine Muttergottesstatue mit Kind - konnte dank der Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Pro Kloster St. Johann und der Im Obersteg Stiftung wieder an ihren angestammten Ort in die Val Müstair zurückgeführt werden. Im Kloster St. Johann in Müstair hat die Marienfigur ihren Platz gefunden, auch im Herzen der Schwestern, allen voran der Priorin Domenica Dethomas. Viele Rätsel um diese Statue bleiben offen, eine Fachkommission hat sich am Freitag, 19. November getroffen, um das Werk zu begutachten und die nächsten Schritte gemeinsam festzulegen.

Durch ein Inserat in der Neuen Zürcher Zeitung vom 19. März 2016 wurden engagierte Bürger auf eine Auktion der Galerie Stuker in Bern aufmerksam gemacht, in der auch eine „Muttergottes aus Santa Maria Val Müstair, Graubünden, 3. Viertel 14. Jh.“ versteigert werden sollte. Zuvor war die Figur 1927 im Kloster St. Georgen in Stein am Rhein von der Kunsthistorikerin Ilse Futterer entdeckt und beschrieben worden. Auf bisher unbekanntem Wege gelangte sie dann in den Besitz der Sammlerfamilie Im Obersteg und der Im Obersteg Stiftung. Um die Rückkehr der Marienfigur in die Val Müstair zu ermöglichen, haben sich die Stiftung Pro Kloster St. Johann mit ihrem Präsidenten Walter Anderau sowie der ehemalige Denkmalpfleger von Graubünden, Hans Rutishauser, besonders stark ins Zeug gesetzt. Dank dem grosszügigen Entgegenkommen der Im Obersteg Stiftung konnte das Kunstwerk ersteigert und in Anwesenheit des gesamten Rates der Stiftung Pro Kloster St. Johann feierlich dem Nonnenkonvent in Müstair übergeben werden. Dadurch wurde ein Verkauf ins Ausland abgewendet und ein bedeutendes Kulturgut wieder an seinen ursprünglichen Platz zurückgebracht, wo es nun seine Funktion als Objekt der Verehrung wieder erfüllt. Priorin Domenice Dethomas und der Konvent sind sehr erfreut darüber. 

Jedoch bleiben viele Rätsel um die Marienfigur offen: Worauf basiert die seit 1927 bezeugte Herkunftsangabe der Figur? In welcher Kirche war sie aufgestellt? Wie und wann gelangte Sie in Privatbesitz? Lässt sich die Datierung in das letzte Viertel des 14. Jh. aufrechterhalten? Woher kam der Künstler, der sie geschnitzt hat?

Um diese Fragen zu beantworten, organisierte die Stiftung Pro Kloster St. Johann am 19. November eine Begutachtung der Figur durch eine internationale Gruppe von Experten. Die Fachleute aus Deutschland und der Schweiz konnten die Echtheit der Figur bestätigen, und sie stilistisch dem schwäbischen Raum bzw. dem Bodenseeraum zuweisen. Die Figur weist allerdings einige Besonderheiten auf, die nicht sogleich geklärt werden konnten, sodass weitere Untersuchungen notwendig sein werden, um die Geheimnisse der Marienfigur zu lösen. Erst durch eine vertiefende Erforschung der Statue kann deren kultureller und historischer Wert vollständig erfasst und der Bevölkerung vermittelt werden. Die Stiftung Pro Kloster St. Johann wird diese Untersuchungen daher weiterhin unterstützen.

 

LINK zu RTR: www.rtr.ch/novitads/grischun/engiadina/500-onns-spari-ed-ussa-finalmain-a-chasa